Das Mastermind des Umbaus: Beat Aeschbacher

 

Porträt von Beat Aeschbacher, dem Gesamtprojektleiter des Umbaus des Casino Bern

GP, GPL, CK und BK: Wenn sich jemand in diesem Akronymdschnungel auskennt, dann Beat Aeschbacher, Gesamtprojektleiter des Umbaus (GPL). Seit den 1980er-Jahren rechnet und plant der Berner Ingenieur meist grosse Bauprojekte und verliert dabei kaum jemals den roten Faden, geschweige dann den Überblick. Stets trägt der ausdauernde Mann einen Anzug – ausser auf der Baustelle leuchtet seine orange Schutzjacke – und auch die Begeisterung für seinen Beruf hell auf.

Beat Aeschbacher, der Gesamtprojektleiter des Casino Umbaus

 

Matterhornbesteiger

Die Firma ingenta ag ingenieure + planer mit Sitz in Bern realisiert anspruchsvolle Projekte im Hoch- und Tiefbau. Sie erhielt 2014 bei der Ausschreibung den Zuschlag, für die Burgergemeinde das «Jahrhundertprojekt», den Umbau des Casinos, zu leiten.
In persona ist das vor allem Beat Aeschbacher, den man in den zahlreichen Sitzungen der Baukommission des Casinos, mit den Generalplaner (Architekten) und mit dem Nutzer (Geschäftsleitung, Ivo Adam) antrifft. Er sieht sich als Verbindungsmitglied dieser Parteien. «Meine Arbeitszeit beträgt jährlich irgendwo zwischen 2200 und 2300 Stunden – drei Viertel davon verbringe ich in Sitzungen.» Vielleicht rennt er deshalb mit seiner Frau wöchentlich bis zu 70 Kilometer und steigt dann und wann auf einen Berg – letzthin aufs Matterhorn. Laufsport ist sein Ausgleich zur enorm konzentrierten Genauigkeit, die sein Beruf erfordert.

Beat Aeschbacher, der Gesamtprojektleiter des Casino Umbaus - und Matterhornbesteiger

Vermittler und Rechner

«Meine Arbeit hat viel mit Vermittlung zu tun. Verschiedene Interessen treffen aufeinander. Da braucht es einen Übersetzer… und einen realistischen Rechner.» So kann es durchaus passieren, dass durch Ausschreibungserfolge (man hat höher geplant, als der Lieferant offeriert) ein Ausgabebatzen nicht vollständig aufgebraucht wird. Dann kann man diesen Überschuss neu da einzusetzen, wo bei der Planung bereits Kompromisse eingegangen wurden. Das ist beim Casinoumbau aber nicht einfach: Ein Umbau in einem denkmalgeschützten Gebäude, ein fordernder Generalplaner, das Team rund um Ivo Adam und Nik Leuenberger, die das Beste vom Beste möchten, das Konzert Theater Bern KTB hat wieder andere Ansprüche. Und: gebaut wird nicht für die nächsten paar Jahre, sondern für kommende Generationen.

Beat Aeschbacher von ingenta ag ingenieure achtet penibel auf Organisation und Kostenkontrolle

Realist und Pragmatiker

«Besonders wichtig finde ich, auf den Wert des Gebäudes hinzuweisen, nicht nur auf die Kosten der Veränderung.» Die Bausumme ist gross. Für den Konzertbesuchenden wird das Casino nach der Wiedereröffnung jedoch nicht wie verwandelt aussehen – weder von aussen, noch von innen. Aeschbacher erklärt: «Die komplette Erneuerung der technischen Anlagen schlagen mit 15 Mio. Franken zu buche. Das sind mitunter Aggregate, Leitungen und Apparaturen, die man nie zu Gesicht bekommt. Diese können nur im Zuge von teils groben baulichen Änderungen am Gebäude umgesetzt werden.» Somit zieht dieser aufgelaufene Unterhalt der Apparaturen weitere ca. 35 Mio. Franken mit sich. Total wird der nicht getätigte Unterhalt also mit rund 50 Mio. Franken beziffert, also rund 2/3 der gesamten Umbausumme von 74 Mio. Franken. Alle Änderungen müssen also wohl überlegt sein und möglichst viel Nutzen bringen.

Als Aeschbacher dann im Saal eine eher kleine Änderung des Bühnenaufgangs erklärt, merkt man, dass dieser Mann ein Pragmatiker ist: «Wenn die Musiker nicht mehr durch den Saal kommen müssen, um auf die Bühne zu gelangen, dann gewinnen beide: die Musiker und das Publikum.»

Beat Aeschbacher steht mitten im grossen Saal, der staubiger nicht sein könnte